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Wie lang?

"Wie lang?"
Sol lehnte an der alten Brüstung des Piers und starrte auf das weite Meer hinaus. Die Sonne war bereits vor Stunden hinter einem dichten, grauen Wolkenvorhang verschwunden und kalter, salziger Wind pfiff durch sein Haar und ließ es emporsteigen.
"Wie lang?"
Beide Male kamen die Worte aus ein und dem selben Munde, waren aber mit völlig anderer Stimme gesprochen. Die Erstere klang hilfesuchend, jung, unerfahren. Sie wurde hinausgerufen in das weite Meer und von den schwarzen Wellen hinfortgetragen.
Die zweite Stimme klang ruhiger und leise. Die Buchstaben würden ganz vorn auf der Zungenspitze gebildet und von dort aus hinausgesand. Es lag etwas mütterliches in ihr. Was die Wellen forttrugen in ihrem Chaos brachte der ruhige Wind zurück. Er war immer da. Er würde auch da sein,wenn das Meer schon lange nicht mehr wäre.
"Ich habe Angst."
Die junge stimme zitterte. Die Stimme war warm. Dampf stiegt mit ihr auf und verschwand sogleich im nichts. Es brauchte mehr Wärme um Kälte zu verteiben als es Kälte brauchte um Wärme zu erlöschen.

12.6.08 01:10, kommentieren

Ihr Schicksal ist das meine!

"So begann ich zu schreiben. Ich habe viel angefangen, wenig zuende gebracht. So lief es immer.
Ich wundere mich die letzte Zeit das Bedrfniss zu verspüren zu schreiben. Ich spüre wieder diese alte Sehnsucht in meinem Herzen. Diesen alten, stechenden Schmerz. Es ist der gleiche wie damals. Ich habe Angst davor, dass er mich zerfrisst."
"Hast du sie dir wieder angesehen?", die Worte waren warm, nicht anglagend, eher mitfühlend.
"Sie...sie hat es herausgefordert. Ich habe sie heute Abend gesehen. Ich sah sie zwischen den Sternen. Ich wusste, es war zeit mich ihr zu stellen. Diese Denkweise wird niemand verstehen. Sie resultiert aus meinem eigenen, verwirrten, fantastischen Denken heraus. Sie entspringt einer Seele in mir, die dazu verdammt ist zu leiden bis sie wieder eins ist."
"Du quälst dich nur selbst mein Engel."
"NEIN! Ihr und mein Schicksal sind miteinander unweigerlich verwoben! Ich weiß, dass ich mich anhöre wie ein Psychopath! Ich weiß, dass sie nicht mir gehört und ich nicht ihr! Ich weiß, dass wir nicht zusammengehören! Was willst du von mir?! Willst du mir sagen ich soll sie vergessen?! Das kann ich nicht. Das hat nichts mit den anderen zu tun, ich werde es nie können."
"Aber du versuchst es nicht einmal!" Ihr engelsgleiches Gesicht trat an ihn heran. Sie sah seine glühenden tränen als er über die Brüstung hinweg auf das güldene Tal unter ihm blickte.
"Sein Anblick schmerzt mich..."
"Wessen?"
"Ich kann dieses Tal, diesen Sommer, dieses Blühen nicht sehen ohne an sie zu denken. Ich denke an Sommer und Blüte wärend ich innerlich verwelcke und nur von einem Winter in den nächsten drifte. Meine Seele fängt nichts ein als Kälte und falsch verstandene Liebe. Das ist keine Liebe! Wie kann man lieben ohne sich selbst zu opfern? Lüfte mir das Geheimnis! Was bist du schon?! Gott?! Ein Engel?! An nichts dergleichen halte ich fest. Es ist nicht, dass ich atheistisch wäre, nur wo haben mir die Götter je geholfen? Ich bin ihr Diener und sie? Sie weren mich weg wie ein Stück Dreck."
Die Engelin schwieg daraufhin und blickte in Träumen versunken mit ihrem Schützling hinaus in die weite Ferne. Der Mond schien hell am Himmelszelt.

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